2011, politisches Jahr 4. September 2011


Bundesamt für Kultur (BAK) zum Ersten: die Sektion Kulturelle Organisationen

Auf Ebene Präsidium/Geschäftsleitung war das Hauptthema die zu erneuernde Subvention seitens des Bundesamts für Kultur, Sektion Kulturelle Organisationen. Sie ist es, die uns – und an die 30 weiteren Organisationen, die sich um professionelle Kulturschaffende kümmern – jährlich mit einem finanziellen Strukturbeitrag unterstützt. Dieses Geld ist für uns von existentieller Bedeutung, erlaubt es uns doch – zusammen mit den Mitgliederbeiträgen – die Führung einer professionellen Geschäftsstelle. Das BAK beabsichtigt neu, diese Förderung mit vierjährigen Leistungsvereinbarungen zu verknüpfen. Aus diesem Grund werden alle bisherigen Verpflichtungen einer genauen Prüfung unterzogen. Die Sektion Kuor hat im Sommer einen Verordnungsentwurf in die Vernehmlassung gegeben, an der wir uns als Verein, aber auch als Teil einer von Danse Suisse initiierten Rückmeldung termingerecht beteiligt haben. Das BAK ist mit der Umsetzung der Neuerungen zeitlich etwas in Rückstand geraten, weshalb die bisherige Subvention bis Mitte 2012 zunächst mal fortgeführt wird.

Wir sind zuversichtlich, dass das BAK die langjährige professionelle Arbeit der Trickfilmgruppe zugunsten ihrer Mitglieder anerkennt, die Besonderheiten unseres Berufsverbands würdigt und unsere Pläne für einen Ausbau der Leistungen und die Betreuung einer wachsenden Zahl von Mitgliedern finanziell unterstützt.


Bundesamt für Kultur (BAK) zum Zweiten: die neuen Förderrichtlinien der Sektion Film

Ab dem 1.1.2012 sollen auf Bundesebene neue Richtlinien in der Filmförderung gelten. Die Sektion Film unter ihrem neuen Leiter Ivo Kummer (dem ehemaligen Direktor der Solothurner Filmtage) bereitet momentan einen Verordnungstext vor, der bald einer Branchen- und einer Ämterkonsultation unterzogen wird. Dieser Text ist das Resultat eingehender Beratungen, die seit Ende 2010 unter der Leitung des ehemaligen Chefs der Sektion Film, Marc Wehrlin, statt gefunden hatten. An diesem sog. Fazilitationsprozess beteiligten sich alle Verbände, nur die Produzentensplittergruppe «IG» entzog sich dem Dialog freiwillig.

Die Trickfilmgruppe hatte früh in diesem grossen Powow die bisherige Marginalisierung des Animationsfilms kritisiert und einen Forderungskatalog zur schrittweisen Anerkennung des Trickfilms als vollwertige Filmgattung neben Spiel- und Dokfilm vorgelegt. Dieser umfasst:

  1. Die Bezeichnung eines Prozentanteils der Fördersumme für Animationsfilm, verbunden mit einer schrittweisen Erhöhung der Mittel, auch bei gleich bleibendem Filmkredit
  2. Die Ablösung des Intendantenmodells durch einen Begutachtungsausschuss (BA) analog jenen für Spielfilm und für Dokumentarfilm
  3. Die Zuordnung des kurzen Formats zur jeweiligen Gattung (Kurzspielfilme begutachtet die Spielfilmkommission, kurze Trickfilme die Kommission Animationsfilm, kurze Dokfilme die Dokumentarfilmkommission)
  4. Die Erhöhung der Höchstbeiträge im Bereich Animationsfilm
  5. Eine Neudefinition der Förderung von TV-Produktionen: es soll insbesondere die Entwicklung serieller Formate und die Herstellung von Pilotfilmen/Teasern ermöglicht werden
  6. Den Fortbestand von Succès Cinéma für den kurzen Animationsfilm


In Marc Wehrlins Bericht, den er Ivo Kummer zum Abschluss überreichte, finden sich wesentliche Teile unserer Forderungen. Sie sind unbestritten und es besteht berechtigte Hoffnung, dass sie auch umgesetzt werden. Nämlich:

  1. einen Begutachtungsausschuss Animation mit drei ExpertInnen
  2. Kurzfilme werden von den jeweiligen Begutachtungsausschüssen behandelt. Für sie sollen künftig «mehr Mittel als bisher» bereitgestellt werden (die Festsetzung eines fixen %-Anteils für Kurzfilme innerhalb der BA-Kredite hatte keine Chance, unseres Erachtens ein etwas schwaches Signal, das Spiel- und Dokfilm an ihren Nachwuchs senden).
  3. Die Finanzierung von langen TV-Formaten ist auf Bundesebene gestrichen, aber der Animationsfilm bildet eine Ausnahme: “Bei Animationsfilmen wird nicht nur die Entwicklung sondern auch die Herstellung von Pilotfilmen für Serien (die als lange TV-Formate gelten) als Massnahme der Projektentwicklung akzeptiert.” und «Bei Animationsfilmen wird auch die Herstellung von Pilotfilmen als Herstellung akzeptiert.» Das ist ein Durchbruch!


Zwei wichtige Punkte sind auf keinen Widerspruch gestossen, werden aber auf Niveau Verteilplan Finanzen noch durchzusetzen sein:

  1. Die Bezeichnung eines Anteils der Fördersumme für Animationsfilm, die unserer Forderung entspricht und die jährlich wächst (der Verteilplan wird jährlich verhandelt)
  2. Die Erhöhung der Höchstbeiträge im Bereich Animationsfilm


Der einzige Punkt unserer Forderungen, den wir nicht genügend argumentieren konnten, war Succès Cinéma für Kurzfilm. Es haben zu wenige Filme pro Jahr profitiert. Stattdessen soll es eine Startförderung für Kurzfilme geben, die ins Kino kommen. Die Startförderung wurde nicht in diesem Prozess verhandelt. Wir werden mit der Sektion Film direkt zusammen arbeiten, um hier sicher zu stellen, dass das was wird.

Über den (noch nicht definitiv beschlossenen) Verlust von Succès Cinéma könnte uns das neu ins Leben gerufene Modell „Succès Festival“ trösten. Damit soll der „kulturelle Erfolg“ honoriert werden, den Schweizer Filme an Festivals im In- und Ausland verzeichnen.

Hier könnte der Animationsfilm massgeblich profitieren: ungleich mehr unserer Filme schaffen es an Festivals als ins Kino, und viele gewinnen auch Preise. Das soll alles zu Gutschriften führen, die analog Succès Cinéma in neue Projekte investiert werden können. Die Liste der in die Berechnungen einbezogenen Festivals wird dabei natürlich sehr wichtig sein. Wir werden mit Swiss Films daran arbeiten, dass auch viele Animationsfilmfestivals auf dieser Liste figurieren.

(Für die Trickfilmgruppe am Ball bleiben Ruedi Schick und Jonas Raeber)


Apropos Schweizer Film und Preise

Nach einiger Diskussion haben wir im Vorstand der Trickfilmgruppe beschlossen, den Zweijahresrhythmus für Animationsfilme bei der Verleihung des Schweizer Filmpreises noch ein weiteres Mal hin zu nehmen. 2012 wird es also – wie geplant – keine Kategorie Animationsfilm geben. Im Sommer 2012 werden dann sowieso alle Preiskategorien neu evaluiert. Einer jährlichen Nomination von Animationsfilmen sollte dann nichts mehr im Wege stehen.


Die SRG und der Pacte de l’audiovisuel

Auch der Pacte de l’audiovisuel, das Abkommen zwischen der SRG und der unabhängigen Filmbranche, wird jetzt für die Periode 2012-2015 neu erarbeitet.
Die Verhandlungen hierfür werden in etwas kleinerem Rahmen geführt, als beim Bund – pro Verband nimmt nur ein Abgeordneter Teil. Die Diskussion wird aber umso engagierter geführt. Schliesslich sind es hier direkte Gespräche mit einer hochrangigen SRG-Delegation… und da tut die IG auch gerne mit.

Die SRG hatte von Beginn weg klar gemacht, dass sie künftig mehr Geld in TV-Projekte statt Kino investieren will. Dagegen haben wir nichts, waren es doch die Animationsfilmschaffenden, die seit Jahren auf mehr TV-Specials und -serien drängten.
Wichtig zu wissen: unter dem Strich wird der Kuchen der SRG nicht grösser. Die Mittel werden verlagert. Neu soll ein Teil davon ins oben beschriebene Modell Succès Festival fliessen sowie in die Förderung von sog. Multimedia-Projekten, die begleitend zu Filmkoproduktionen entstehen sollen.

Die Verhandlungen dauern noch an. Deshalb nur so viel: Befürchtungen, wonach mit dem Wegfall von Succès Passage Antenne-Gutschriften für Kurzfilme dem Animationsfilm wesentliche Beträge entgehen, stimmen so nicht. Alles in allem wird auch die SRG den Animationsfilm über die kommenden vier Jahre mit mehr Mitteln fördern, als bisher.


(Für die Trickfilmgruppe am Ball bleiben Ted Sieger und Jonas Raeber).