anilogue 2009 Von Susann Wach Rózsa, 2. März 2010

Internationales Animationsfilm-Festival in Budapest und Wien
27.11.- 03.12.2009 www.anilogue.com


Das internationale Animationsfilm-Festival ‚anilogue’ feierte dieses Jahr bereits seine siebte Ausgabe. Zum wiederholten Mal wurde es in zwei Städten ausgetragen. Die Eröffnung findet jeweils in Budapest statt, die Abschlussveranstaltung in Wien.

Programm

Zur Opening Show war das Publikum in den prächtigen Budapester Kinosaal Urania geladen, wo MARY AND MAX des Oscar gekrönten Australiers Adam Elliot als ungarische Premiere gezeigt wurde. Auf dem Festival-Programm standen auch die Langspielfilme $9.99 der aus Israel stammenden Tatia Rosenthal, der belgische PANIQUE AU VILLAGE, die japanischen Animes GURREN LAGANN und KING OF THORN, sowie der Kinderfilm YONA YONA PENGUIN.

Daneben zeigte ‚anilogue’ Kurzfilmprogramme aus Polen und Deutschland. Das Spezialprogramm „Zwischen Staatskunst und Underground“ war dem Trickfilm in der DDR gewidmet. Obwohl im staatlichen DEFA-Studio entstanden, beschäftigten sich einzelne Kurzfilme mit expliziten Fluchtfantasien, was zu kuriosen Resultaten führte. Die Filme stammen aus dem Archiv des Deutschen Instituts für Animationsfilm, Dresden.
Das Wettbewerbsprogramm präsentierte in drei Blöcken ausgewählte animierte Kurzfilme der letzten zwei Jahre aus ganz Europa. Als einziger Schweizer war diesmal George Schwizgebel mit RETOUCHES vertreten. Die dreiköpfige internationale Jury, bestehend aus Alexei Alexeev, Hitoshi Suzuki und Tomek Baginski vergab den Hauptpreis an den Letten Vladimir Leschiov für WINGS AND OARS. In dem sechsminütigen Animationsfilm wird die Geschichte eines früheren Piloten erzählt, der auf sein Leben zurückblickt.

Geld und Publikum

Trotz der zahlreichen Logos von Sponsoren auf Webseite und Leinwand muss die Festivalleitung mit einem minimalen Budget auskommen. Während des laufenden Jahres können sich nur Kreet Paljas und ihr Partner von der Produktionsfirma Szimpla Film um das Programm kümmern. Die Festivalbetreuung Ende November bestreitet dann ein Team von trickfilmbegeisterten Freiwilligen.

Die Zusammenarbeit mit dem Filmcasino Wien hat sich für ‚anilogue’ bewährt. Die ungarisch-österreichische Partnerschaft ist jedoch mehr als nur eine finanzielle Stärkung. Seit 2008 wächst in den Schwesterstädten Wien und Budapest ein junges, anspruchsvolles, aber auch treues Festivalpublikum heran.

Ausblick

Das „World Panorama“ bot eine Übersicht über aktuelle Animationsfilme, die die Herzen von Publikum und Jury von Filmfestivals weltweit erobert haben. Mein persönlicher Favorit ist die aberwitzige Miniserie LOG JAM von Alexei Alexeev, welche im Budapester Studio Baestarts von András Erkel produziert und von Aardman Rights international vertrieben wird.

Nach ihrem Lieblingsfilm gefragt, nennt die Proramm-Direktorin Kreet Paljas I AM SO PROUD OF YOU von Don Hertzfeldt, mit dem sie für nächstes Jahr eine Retrospektive plant.

2010 würde Kreet Paljas auch gerne eine Schweizer Auswahlschau zeigen. Vergleichbar mit den polnischen Spezialprogrammen könnte man einerseits Klassiker des CH-Animationsfilms und andererseits aktuelle Arbeiten zu einem bestimmten Thema zusammenstellen. Auf jeden Fall sollte man sich ‚anilogue’ im Festivalkalender 2010 schon mal eintragen.


MARY AND MAX

Regie: Adam Elliot
Produzent: Melodrama Pictures
Australien 2009 | 35mm | 95 Min | englische OV
www.maryandmax.com

Ein einsames Mädchen aus Melbourne sendet einen Brief an eine zufällig gewählte Adresse aus dem New Yorker Telefonbuch. Der Empfänger, ein mürrischer und menschenscheuer 44-Jähriger, entpuppt sich als Seelenverwandter. Er schreibt zurück. Das kuriose Paar bleibt für 20 Jahre in einer beglückenden wie auch tragischen Brieffreundschaft miteinander verbunden.

Es ist schlicht verblüffend, wie sich liebenswert schrullige Figuren (mit Toni Colette, Philip Seymour Hoffman und Barry Humpries alias Dame Edna stimmlich treffend besetzt!) und tausende getippte Buchstaben zu einer Komödie für die große Leinwand verbinden. So wie schon Adam Elliotts Oscar gekrönter „Harvie Krumpet“ ist „Mary and Max“ gleichzeitig grotesk, witzig und signifikant. Er nimmt uns mit auf eine Reise, die so unterschiedliche Themen streift wie Freundschaft, Autismus, Taxidermie, Psychiatrie, Alkoholismus, die ungeklärte Herkunft der Babys, Fettleibigkeit, Kleptomanie, Vertrauen, kopulierende Hunde, religiöse Differenzen, Agoraphobie und viele andere Überraschungen des Lebens.