Diskussion rund um die
Filmförderung
25. Mai 2011

Der neue Vorstand der Trickfilmgruppe hat seine Arbeit gleich nach der Mitgliederversammlung Ende März aufgenommen. An einer ersten Sitzung wurden Ressorts geschaffen und verteilt. Im Ressort „Politik“ (Ressortverantwortliche sind Ted Sieger und Ruedi Schick) stehen dieses Jahr wichtige Dinge an: Die Neudefinition der Bundesförderrichtlinien und der neue Pacte de l’Audiovisuel zwischen der SRG und der unabhängigen Filmbranche. Erstere Massnahme gilt für die Jahre 2012-2015, der Pacte für 2012-2014. Mit beiden soll erreicht werden, dass der Animationsfilm wesentlich besser verankert und ausgestattet wird als bisher. Das Ziel ist, von heute knapp 3% auf zunächst einmal 13% der Mittel zu kommen. Der Vorstand hat dazu der Branche ein Papier mit mehreren Forderungen präsentiert, die mehrheitlich positives Echo ausgelöst haben:

  1. Die Bezeichnung eines Prozentanteils der Fördersumme für Animationsfilm, verbunden mit einer schrittweisen Erhöhung der Mittel, auch bei gleich bleibendem Filmkredit
  2. Die Ablösung des Intendantenmodells durch einen Begutachtungsausschuss (BA) analog jenen für Spielfilm und für Dokumentarfilm
  3. Die Zuordnung des kurzen Formats zur jeweiligen Gattung (Kurzspielfilme begutachtet die Spielfilmkommission, kurze Trickfilme die Kommission Animationsfilm, kurze Dokfilme die Dokumentarfilmkommission)
  4. Die Erhöhung der Höchstbeiträge im Bereich Animationsfilm
  5. Eine Neudefinition der Förderung von TV-Produktionen: es soll insbesondere die Entwicklung serieller Formate und die Herstellung von Pilotfilmen/Teasern ermöglicht werden
  6. Den Fortbestand von Succès Cinéma für den kurzen Animationsfilm

Ein neuer Begutachtungsauschuss Animation mit einem Budget für kurze Animationsfilme dürfte zustande kommen. Die Animationsfilmexpertinnen und -experten sollen zudem beigezogen werden, wenn lange Animationsfilme zur Förderung im Ausschuss Spielfilm eingereicht werden.
Die Vorschläge fliessen nun in den Fazilitationsprozess ein, den das BAK unter Leitung von Marc Wehrlin in Auftrag gegeben hat. Einige weitere Treffen mit der Branche werden stattfinden. Die Sektion Film wird im Spätsommer unter ihrem neuen Leiter Ivo Kummer einen Vorschlag zuhanden des Bundesrats vorlegen.

Die SRG möchte künftig mehr für TV produzieren und weniger für Kino. Die Trickfilmgruppe setzt sich dafür ein, dass diese Umlagerung auch den Animationsserien und TV-Specials zugute kommt. Der Schweizer Trickfilm soll sein ganzes Potenzial entfalten können, was mit 3% der Gelder nicht möglich ist. Weltweit ist Animationsfilm als Kunstform, als Industrie, als Teil des Audiovisions- und Unterhaltungssektors etabliert. Bald auch in der Schweiz.


Jonas Raeber

Präsident der Trickfilmgruppe
25.5.2011